Der König von Montenegro

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Am 16. Oktober gelang es dem Langzeitherrscher Milo Djukanović seine neunte (!) Parlamentswahl zu gewinnen. Seit 25 Jahren ist er nun an der Macht, 16 Jahre als Ministerpräsident, fünf als Präsident und fast vier Jahre als graue Eminenz und Anführer der dominanten Regierungspartei. Auch wenn seine Partei, die Demokratische Partei der Sozialistischen (DPS), nur 36 von insgesamt 81 Sitzen gewann, scheint ihr der Machterhalt mit Unterstützung von Minderheitenparteien sicher.

Als Milo Djukanovic im Februar 1991 an die Macht kam, gab es Jugoslawien noch. Als sich Slowenien und Kroatien wenige Monate  später unabhängig erklärten, blieb Montenegro Serbien treu und beteiligte sich mit am Krieg in Kroatien. Djukanović, damalst 29, war einer der Gruppe von montenegrinischen Kommunisten, die kurz Zuvor die Parteiführung übernommen haben und auf einen Pro-Milošević Kurs getrimmt haben. Seine einstigen Mitstreiter, bekannt als die „junge, schönen und schlauen“, haben die vielen erfolgreichen Wenden Djukanović nicht überstanden. Momir Bulatović, Präsident Montenegros von 1990 bis 1998, blieb auf der Strecke, als es sich 1997 ganz Slobodan Milošević verschrieb, während Djukanović auf eine Annäherung an den Westen setzte. Sein anderer Bündnispartner aus den frühen Tagen, Svetozar Marović, blieb ihm loyal zur Seite und war für zwei Jahre Präsident des losen Staatenbundes von Serbien und Montenegro vor der montenegrinischen Unabhängigkeitserklärung. Er landete jedoch im Gefängnis wegen Korruption und Amtsmissbrauch bei Bauvorhaben in seiner Heimatgemeinde Budva an der Adriaküste. Djukanović jedoch überstand sowohl sein Bündnis mit Milošević, als auch seinen Bruch mit ihm. Er überlebte den Kosovo Krieg 1999, als die NATO auch Armeeziele in Montenegro bombardierte, während die jugoslawische Armee versuchte ihn zu entmachten. Er überlebte seine Entscheidung Montenegro in die Unabhängigkeit zu führen und nun auch NATO Mitgliedschaft. Das Land wurde im Mai 2016 zum Beitritt in die Allianz eingeladen, trotz großem Widerstand innerhalb Montenegros.

Wie schafft Djukanović es diese Wenden zu überstehen und wiedergewählt zu werden? Zum Vergleich: Im Nachbarland Serbien gab es in der gleichen Zeit 11 verschiedene Ministerpräsidenten und auch Österreich schafft es auf sechs Kanzler seit 1991.

Zunächst ist Djukanović zweifelslos ein geschickter Politiker, dem es glingt die Zeichen der Zeit zu erkennen. Er erkannt, 1997, das Miloševićs Zeit abgelaufen war und sein serbischen Nationalismus nicht zukunftsträchtig war. Später setzte er sich für die Unabhängigkeit ein, nachdem er sah, dass ihm ein unabhängiges Montenegro mehr Gestaltungsraum geben würde und er damit auch die Opposition zwischen Gegnern und Befürwortern der Eigenständigkeit spalten und damit ungefährlich machen würde. Nach 2006 hat er dann den Staat aufgebaut, eindeutig auf westlicher Orientierung, mit Ziel NATO und EU Mitgliedschaft. Er trug auch umstrittene Entscheidungen mit, wie die Anerkennung des Kosovo 2008 oder Sanktionen gegen Russland. Als zuverlässiger Partner des „Westens“ konnte er stets auf Unterstützung hoffen, auch auf Nachsicht wenn Demokratie und Rechtsstaatlichkeit im Lande auf der Strecke bleiben.

Er hatte das Glück (dem er auch etwas nachgeholfen hat), eine gespalteten Opposition zu haben. Seit Jahren leidet die Opposition an einem Spaltpilz: Bei den Wahlen vergangenen Sonntag traten 32 Parteien an und 14 werden im Parlament vertreten sein. Der ständige Misserfolg bei Wahlen, freundlicher Druck durch die Regierungspartei und ideologische Gräben führen zu dieser Situation mit einem Riesen und vielen Zwergen. Einige Parteien huldigen großserbische Position, wünschen sich enge Beziehungen mit Russland und haben Djukanović nie verziehen, dass er mit Milošević brach und den Staat mit Serbien aufgab. Andere wollen einen demokratische Strukturwandel, jenseits der potemkinschen Reform Dörfer von Djukanović.  Mit dieser Kombination scheitert die Opposition immer wieder. Gerade die kleinen Parteien der albanischen, bosniakischen und kroatischen Minderheiten unterstützen immer wieder Djukanović, teils aus direkten Vorteilen für die Parteien, teils aus Angst vor den serbisch-nationalistischen Positionen Teilen der Opposition.

Zuletzt ist Staat, Partei und Djukanović längst eins, unter dem Motto, L’état c’est moi. Djukanović und seine Familie sind längst über dubiose Geschäfte reich geworden und durch die regierenden DPS ist die Kontrolle im Staat absolut. Auch wenn die Regierung mittlerweile nicht mehr Untermieter der Regierungspartei  ist, ist die Macht der Partei ungebrochen.  Als Nachfolger der jugoslawischen Kommunisten herrscht sie ununterbrochen seit 1945. Dabei verschwimmen Staats- und Parteiinteresse. Die öffentliche Verwaltung ist in Parteihand und von Beamte wird erwartet auch für die Partei zu stimmen. Mit Druck und Versprechen werden viele dazu gedrängt für die Regierungspartei zu stimmen, mit knapp über 600,000 Einwohnern kennt jeder jeden und somit ist es leicht Regierungsgegner dazu zu bewegen nicht wählen zu gehen und andere zur Wahl mit Geschenke zu motivieren. Bei den Wahlen am Sonntag stellten NGOs duzende Unregelmäßigkeiten fest, Viber und WhatsApp, zwei beliebte Apps für Chats wurden am Wahltag zeitweise abgestellt. Warum ist bis jetzt nicht klar. Die Verhaftung von 20 serbischen „Terroristen“, unter Leitung des ehemaligen Chefs der serbischen Elitepolizeinheit Bratislav Dikić am Wahltag warf viele Fragen auf, ob die Opposition versucht haben soll eine Machtübernahme mit Gewalt oder Unruhe anzuzettlen versucht zu haben, oder ob das Regime sich als Schützer vor Anarchie darstellen wollte und die Opposition als dunkle Kräfte des Chaos.

Die Hintergründe werden wir wahrscheinlich erst dann herausfinden, wenn die Machtpyramide in Montenegro fällt. Doch noch sieht es so aus, als würde Djukanović noch vier Jahr an der Macht bleiben.

 

Montenegrin Parties and the Gemino Curse. Through Balkan Politics with Harry Potter, Part 1

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In Harry Potter and the Deathly Hallows (Part 1), Harry, Hermine and Ron enter the vault of the vault of Bellatrix Lestrange to find a Horcrux, the Cup of Helga Hufflepuff. The vault was, however, protected by the Gemino spell, which duplicates objects when touched, in this case the treasures multiplied so frequently that they became mountains that nearly crushed the heroes.

The Gemino spell has been a curse for opposition political parties in some countries of the Balkan. Nowhere is this more visible than in Montenegro, which is holding parliamentary election on 16 October. The elections are being contested by 17 electoral lists. The two main opposition lists are in fact coalitions: The Democratic Front includes a baffling 10 parties, the Coalition Key 3 parties. In addition, there  are 8(!) Albanian parties competing (on three lists composed of 1, 3 and 4 parties respectively), 8 other parties, plus 3 appealing to Bosniak and Croat voters.Here is the list of your choices, if you are a Montenegro voters:

  • Democratic Party of Socialists
  • Social Democratic Party
  • Democrats
  • Socialdemocrats
  • Alternative Montenegro
  • Positive Montenegro
  • Coalition Key:
    • Democratic Alliance
    • Socialist People’s Party
    • United Reform Action
  • Serb Party
  • Party of Pensioners, Invalids and Social Justice
  • Party of Serb Radicals
  • Croatian Civic Initiative
  • Bosniak Democratic Community
  • Bosniak Party
  • Democratic Front
    • New Serb Democracy
    • Movement for Changes
    • Democratic People’s Party
    • Workers Party
    • Democratic Serb Party
    • Movement for Pljevlja
    • Serb Radical Party
    • Yugoslav Communist Party
    • Party of United Pensioners and Invalids
    • Resistance to Hopelessness
  • Democratic Alliance of Albanians
  • Decisive Albanians:
    • Democratic Union of Albanians
    • Albanian Alternative
    • New Democratic Power-Forca
  • Albanian Coalition
    • Democratic Party
    • Civic Initiative
    • Democratic Alliance
    • Civil Movement Perspective

Some are opposition groups, some might be either opposition or join forces with the ruling DPS, depending on the outcome of the elections. Altogether 32 parties and groups are competing for power (or one party per 16,525 voters). There is nothing new to having many parties contending, it seems likely that more than 20 parties will be represented in the next parliament. This is a long way from the early 2000s, when the number of parliamentary parties was a third of that.

The dominance of the ruling DPS has been the reason for the Gemino spell to create dozens of parties which are indistinguishable copies of one another. After every failed effort to break the dominance of Djukanović and his DPS, the opposition parties multiply. The extreme fragmentation helps the ruling party to stay in power, as it not only undermines the credibility of the alternative, but also creates a large pool of potential partners that can be co-opted  in a future government. This time, the fragmentation might have also some positive side-effects. It is clear to even the most optimistic opposition party leaders that they will not win a sufficiently large majority alone. Thus, not only have two large opposition blocks crystallized, but it also led to an agreement on post-election cooperation among the large opposition groups.

The Gemino spell is not unique to Montenegro, but rather a broader phenomena when the main function of parties is less about program and more about access to power, leadership of a party is central to power and exclusion from power is denying parties their main raison d’etre. The best example is the Democratic Party in Serbia which has fragmented or rather duplicated into dozens of copies. Of the 17 parliamentary clubs in the current Serbian parliament, 5 are off-springs of the original Democratic Party, Democratic Party of Serbia, Liberal Democratic Party, New Party, and the Socialdemocratic Party, not to mention some extra-parliamentary off-shoots (Left of Serbia), and currently ongoing processes of the Gemino spell inside the DSS and to a lesser degree the DS. So, while it is certainly not true that the Balkans produces more history that it can consume, some countries produce more parties than they can consume and Gemino spell will remain a curse as long as power is centralized in the state and the parties where every intra-party conflict and lost election triggers a new iteration of the curse.

(This is the first post with Harry Potter through Balkan politics. More to follow. If you have a favorite curse, character or scene from Harry Potter that might fit nicely, let me know)